ISBN: 978-3-8260-1550-2 Erscheinungsahr: 1998 Seitenanzahl: 351 Kurzinhalt: In seinem immer noch lesenswerten Versuch über Schiller charakterisiert Thomas Mann die Leistung des Klassikers folgendermaßen: "Er hat sich ein persönliches Theater-Idiom erfunden, unverwechselbar nach Tonfall, Gebärde und Melodie, sofort als das seine zu erkennen, - das glänzendste, rhetorisch packendste, das im Deutschen und vielleicht in der Weit je erfunden worden, eine Mischung von Reflexion und Affekt, des dramatischen Geistes so voll, daß es schwer ist seither, von der Bühne zu reden, ohne zu ,schillerisieren'." Nicht von ungefähr galt das "Schillerisieren" im 19. Jahrhundert von Heinrich von Kleist, Georg Büchner, Friedrich Hebbel, Otto Ludwig und Ferdinand Lassalle bis hin zu Rolf Hochhuth als eine prononcierte dramatische Schreibweise, der man sich entweder mit Eifer verschrieb oder von der man sich mit ideologischen Argumenten abwandte. Schillers Doppelbegabung für Begriff und Anschauung, für Verstand und Empfindung, Reflexion und Affekt determinierte ihn zweifelsohne zum Prototyp des sentimentalischen, d.h. modernen Dichters, dessen Werk ebenso auf philosophische, anthropologische, existentielle, ästhetische, poetologische wie auf politische, historische, mentalgeschichtliche und gesellschaftliche Fragestellungen antwortete. Schon als Karlsschüler reflektierte er über die geistige, geschichtliche und politische Situation seiner Zeit, widmete sich dann bald neben seiner poetischen und dramatischen Produktion kulturphilosophischen Spekulationen und nahm schließlich 1793, enttäuscht von der Entwicklung der Französischen Revolution, um das "politische Problem in der Erfahrung zu lösen, durch das ästhetische den Weg". In dem Buch beschäftigen sich im ersten Teil (Sentimentalische Operationen) sechs Kapitel mit den vielseitigen theoretischen Konzepten Schillers: von den Einflüssen Wielands, der rhetorischen Tradition, der Auseinandersetzung mit Bürger, den Ansätzen einer Lyriktheorie bis hin zu den Elementen einer ästhetischen Anthropologie. Der zweite Teil (Pathetische Darstellungen) enthält umfangreiche Dramenanalysen, die den engen Zusammenhang ästhetischer Theorie und dramatischer Praxis veranschaulichen. Das Buch wird eingeleitet von einem zusammenfassenden Überblick von Schillers Leben und Werk, der auch die dichterische und philosophische Entwicklung in den verschiedenen Stationen dokumentiert. Das Buch ist das Ergebnis einer dreißigjährigen Beschäftigung des Verfassers mit dem schwäbischen Klassiker und Intellektuellen. Der Herausgeber Walter Hinderer, geb. 1934 in Ulm, studierte Germanistik, Philosophie, Anglistik und Geschichte in Tübingen und München. Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Princeton University, USA. Zahlreiche Publikationen zur deutschen Literatur des 18., 19. und 20. Jahrhunderts, zur Literaturtheorie, Ästhetik, Literaturkritik, Rede und Rhetorik, Mentalgeschichte, zu Politik und Literatur. Außerdem Essays und Rezensionen für "Die Zeit", "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und "Süddeutsche Zeitung". Bei K&N: Arbeit an der Gegenwart. Zur deutschen Literatur nach 1945; Codierungen von Liebe in der Kunstperiode.
ISBN: 978-3-8260-4152-5 Erscheinungsahr: 2009 Seitenanzahl: 452 Sprache: deutsch Kurzinhalt: Das neue Buch des Autors setzt zum 250. Geburtstag von Friedrich Schiller die Diskussion über den originellen Dramatiker, Intellektuellen, glänzenden Briefsteller und Essayisten fort. Im ersten Kapitel erzählt er detailliert die makabre, aber spannende Geschichte der drei Begräbnisse des angeblichen Nationaldichters und der verschiedenen Versuche, den Inhalt des Schillersarges zu identifizieren. Obwohl die DNA-Analysen des „Friedrich-Schiller-Code“- Projekts im Jahr 2008 zu dem Ergebnis gelangten, dass der Fürstengruft-Schädel nicht der Schädel Schillers sein kann, beharren die beteiligten Fachleute, die anthropologische und chemische Untersuchungen anstellten, darauf, dass der Fürstengruft-Schädel der echte ist. Die weiteren Kapitel des Buches führen im ersten Teil die verschiedenen Metamorphosen von Schillers exzentrischer Laufbahn vor und versuchen neben den verschiedenen theoretischen Ansätzen seines Werkes eine Annäherung an seine facettenreiche Persönlichkeit. Man spricht zwar häufig von Schillers Spiritualismus und seinem Asketentum, von seiner Willenstärke und seinem übersteigerten Idealismus, aber nicht von seinem zuweilen recht deftigen Sensualismus, der keineswegs Kraftausdrücke verschmäht und dessen Temperatur noch in der energiegeladenen, manchmal überhitzten Sprache seiner Jugenddramen zu messen ist. Schillers scharfer analytischer Verstand stand nicht selten zu seiner zügellosen Phantasie im Widerspruch. Auf der anderen Seite war es gerade dieser Antagonismus, der ihn zu dem fulminanten Theatergenie machte, wie es in deutscher Sprache nur wenige gegeben hat. Wie Schillers Wirkung auf die folgenden Generationen ausgestrahlt hat, von Hölderlin, Kleist und Büchner bis zu Brecht und Hochhuth, macht der zweite Teil des Buches deutlich, der unter dem Motto und dem Konzept „kreativer Aneignungen“ steht. Metamorphosen – Das heronische Begräbnis – Die exzentrische Bahn – Empirische Seelenlehre und das Integralbild des Traums – Theater als politische Anstalt – Der schöne Traum von der politischen Regeneration – Die Damen des Hauses – Von Heroinen und Amazonen – Das antike Drama als Herausforderung – Kreative Aneignungen – Schillers Philosophische Briefe und Hölderlins Hyperion – Schillers Jungfrau von Orleans und Kleists Penthesilea – Verheimlichte Verwandtschaft: Büchner und Schiller – Ist das epische Theater eine moralische Anstalt? Brechts kritische Aneignung von Schillers Dramaturgie – Plädoyer für den Einzelgänger: Schiller und Hochhuth Der Autor Walter Hinderer lehrt seit 1978 an der Princeton University in den USA. Zahlreiche Bücher bei K&N, u.a.: Geschichte der politischen Lyrik in Deutschland, 2007 – Geschichte der deutschen Lyrik vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 2001 – Von der Idee des Menschen. Über Friedrich Schiller, 1998 – Codierungen von Liebe in der Kunstperiode (Hrsg.), 1997 – Arbeit an der Gegenwart. Zur deutschen Literatur nach 1945, 1994.
ISBN: 978-3-8260-4580-6 Erscheinungsahr: 2011 Seitenanzahl: 208 Sprache: deutsch Kurzinhalt: Kleists Dramen und Erzählungen zielen nicht nur auf die Verwirrung des Gefühls und des Bewusstseins, sondern sie oszillieren zwischen Selbst- und Fremdreferenz, den graven und antigraven Kräften. Sie überschreiten überdies immer wieder aufs neue gesellschaftlich markierte und sanktionierte Grenzen, treiben Syllogismen in Paradoxien. Nicht selten führt die Erklärung des Unerklärlichen zur Unerklärlichkeit einer Erklärung und wird der logische Satz vom ausgeschlossenen Dritten außer Kraft gesetzt und im Gegensatz dazu ein Netzwerk der Fehlschlüsse und Widersprüche entwickelt. Hinter jeder Erfahrung lauert bei Kleist in der Tat ein „Gesetz des Widerspruchs“, ein Gesetz, das uns, wie er es ausdrückt, „geneigt macht, uns, mit unserer Meinung, immer auf die entgegengesetzte Seite hinüber zu werfen“. Der vorliegende Band enthält neben ausführlichen Interpretationen wichtiger dramatischer und erzählerischer Werke Heinrich von Kleists eine konzise biographische Darstellung, einschlägige Kapitel über die Antinomien in seinem Welt- und Selbstverständnis, über seine Ästhetik der Negation, über die kreative Aneignung naturwissenschaftlicher und philosophischer Ansichten und schließlich eine Anlayse seiner Todesauffassung im Kontext der Zeit. Der Band klingt aus mit der Beschreibung ein Art Wahlverwandtschaft, die Franz Kafka vor allem zu dem von ihm bewunderten Prosaisten Kleist empfand, dessen Erzählungen er gerne vorlas. Der Autor Walter Hinderer ist Professor für neuere deutsche Literatur an der Princeton University, USA.
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