ISBN: 978-3-8260-3590-6 Erscheinungsahr: 2007 Seitenanzahl: 240 Sprache: deutsch Kurzinhalt: Im Unterschied zu den in Analecta Hölderliniana II behandelten Gedichtfragmenten des Spätwerks, die Hölderlins skeptische Sicht auf Gegenwart und Zukunft des Vaterlands belegten, sind die in diesem Band erläuterten Texte den Voraussetzungen und Bedingungen für die immer noch erhoffte hesperische Welt auf der Spur. Diese der Vergangenheit abgerungene Perspektivik verdankt sich nicht dem Rückblick auf die alte Welt, sondern auf die raumzeitliche Genese des zeitgenössischen Europa, insbesondere auch Deutschlands. Es handelt sich einerseits um die mit dem Beginn der Neuzeit einsetzende Erkundung ferner und fremder Meeresküsten, wie sie etwa die Gedichte Tinian und Kolomb bestimmt, also um die vielversprechenden Ansätze, die in der Erweiterung, Festigung und Bereicherung des hesperischen orbis lagen; andererseits, weiter zurückgreifend, um die christlich-abendländische Welt des Mittelalters, die Hölderlin in Passagen etwa aus Patmos, Der Einzige, An die Madonna fokussiert, um deren Stoffangebote auf ihre Tauglichkeit für den hesperischen Gesang zu prüfen. Die Autoren Anke Bennholdt-Thomsen ist Universitätsprofessorin a. D. für Neuere Deutsche Literatur an der Freien Universität Berlin und Vorstandsmitglied der Hölderlin-Gesellschaft. Dr. Alfredo Guzzoni lebt als wissenschaftlicher Autor in Berlin und ist Mitherausgeber der Japanischen Heidegger-Gesamtausgabe.
ISBN: 978-3-8260-2291-3 Reihen Nr: EpiL Band Nr: 404 Erscheinungsahr: 2002 Seitenanzahl: 205 Sprache: deutsch Kurzinhalt: Ausgehend von der bekannten Brüchigkeit kleistischen Erzählens stellt sich das vorliegende Buch die Aufgabe, der narrativen Funktion jener Brüche nachzuspüren. Ergebnis ist eine das Gesamtwerk Kleists unter einem thematischen Spannungsbogen zusammenschließende Lektüre, die ihre Berechtigung daran zu erproben hat, ob sie auch bisher schwer integrierbare Elemente wie die provokativen Gewaltexzesse oder die auffälligen inhaltlichen wie formalen Unstimmigkeiten schlüssig in sich aufzunehmen vermag. Den Ausgangspunkt bildet die These, daß sich das irritierende Aufeinanderprallen von Zitaten konventioneller Sinnmodelle mit einer provozierenden erzählerischen Brüchigkeit Kleists Versuch verdankt, den Konstruktcharakter solcher Weltdeutungsmodelle zu entlarven und hinter der scheinbaren Sicherheit ein grundlegendes Gefühl der Rätselhaftigkeit spüren zu lassen, das ihn zum Vorreiter der Moderne macht. Dabei erweist sich die Erfahrung der Rätselhaftigkeit als Resultat einer Textbewegung, die Kleist selbst in den Empfindungen vor Friedrichs Seelandschaft mit dem Schema von Anspruch und Abbruch beschreibt. Das Buch greift diesen Antagonismus auf, indem es im ersten Teil der Frage nachgeht, unter Einsatz welcher Denkmodelle der Mensch seine Forderung nach Sinn an die Welt richtet, während ein zweiter in detaillierten Analysen untersucht, welche erzählerischen Strategien die Sinnverweigerung gestalten, die die rätselhafte Welt diesem Sinnbedürfnis entgegenstellt. Anhand des Michael Kohlhaas schließlich wird das komplexe Zusammenspiel der herausgearbeiteten Erzählstrategien illustriert, in der Hoffnung, am Ende in Grundzügen die Elemente einer kleistischen Ästhetik des Rätselhaften skizzieren zu können. DIE AUTORIN Claudia Brors (geb. 1968) studierte nach einer Ausbildung zur Verlagsbuchhändlerin Germanistik und Französische Philologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn. Seit ihrer Promotion mit der vorliegenden Arbeit arbeitet sie im Verlagswesen. SACHGEBIET Literaturwissenschaft
ISBN: 978-3-8260-4262-1 Erscheinungsahr: 2010 Seitenanzahl: 188 Sprache: deutsch Kurzinhalt: Die Autoren des Bandes beleuchten aus verschiedenen Fachperspektiven (Politikwissenschaft, Philosophie, Erziehungswissenschaft, Kunsttheorie) zentrale Mythen einer Gesellschaft, die in einem Konfliktraum pathologischer Grenzüberschreitungen gefangen zu sein scheint. R. Sonnenschmidt: Der (ge)doppelte Mensch. Ein Beitrag zur philosophischen Anthropologie des Geschlechterdualismus – P. Krumpholz: Zum Verständnis von Kultur und Interkulturalität unter der Perspektive der Philosophie und Religionspolitologie – A. Dordel / A. Ulrich: Das identitäre Selbst. Die psycho-esoterischen Wurzeln der Selbst-Ökonomie in der Moderne – O. Jann: Die Arroganz der Ignoranz. Vom Elend real existierender Demokratie – A. Schmidt: Literarisches Propädeutikum. Über den gesellschaftspolitischen Wert publizistischer Essayistik im Hinblick auf die Ausbildung einer Philosophie der Freiheit – C. Hungeling: Über die Regression des Lesens. Zum Verhältnis von Buchmarkt, Lesekultur und Demokratie – A. Bernhard: Elemente eines kritischen Begriffs der Bildung – O. Jann: Bildungsrepublik. A fond perdu – B. Gräfrath: Der Mensch als Wissenschaftler, Künstler und Abenteurer: Divergierende Ideale beim frühen Nietzsche Der Herausgeber Christoph Hungeling ist Diplomand an der Universität Duisburg-Essen. Er studiert Politikwissenschaft im Hauptfach, mit den Nebenfächern Soziologie, Philosophie und Kunstwissenschaft.
ISBN: 978-3-8260-4240-9 Erscheinungsahr: 2009 Seitenanzahl: 208 Sprache: deutsch Kurzinhalt: Eine ausführliche Einleitung gibt einen Abriss der Geschichte Athens im 5. Jahrhundert v. Chr., erläutert die Entstehung und das Wesen der griechischen Tragödie und umreißt ihre Bedeutung innerhalb der philosophischen Strömungen der Zeit. Es folgt – abschnittweise – die Übersetzung und die Interpretation der 442 v. Chr. aufgeführten Tragödie „Antigone“ des Sophokles. Im Anschluss daran bietet das Buch Beispiele aus der umfangreichen Geschichte der Rezeption, beginnend mit der Übersetzung Friedrich Hölderlins (1770 – 1843), die eher eine Bearbeitung ist. An Hand der „Phänomenologie des Geistes“ wird die Interpretation Friedrich Hegels (1770 – 1831) erarbeitet. Weitere Kapitel beschäftigen sich mit Sören Kierkegaards (1813 – 1851) „Moderner Antigone“ aus „Entweder – Oder“, Alfred Döblins (1878 – 1957) Roman „November 1918“ und Elisabeth Langgässers (1899 – 1950) Erzählung „Die getreue Antigone“. Die beiden letzten Kapitel sind Jean Anouilhs (1910 – 1987) Drama „Antigone“ und Rolf Hochhuths (geb. 1913) Novelle „Die Berliner Antigone“ gewidmet. Ein Register antiker Namen und ein Verzeichnis der benutzten Literatur schließen den Band ab. Der Autor Kurt Roeske studierte Klassische Philologie. Stationen seines Berufsweges waren die Leitung des Dilthey-Gymnasiums in Wiesbaden, der Deutschen Schule Athen und des Rabanus-Maurus-Gymnasiums in Mainz. Bei K&N sind von ihm bereits erschienen: „Nachgefragt bei Sokrates“, Texte und Interpretationen der Apologie Platons, 2004; „Die späte Heimkehr des Odysseus“, Szenen aus Homers Odyssee, Texte und Deutungen, 2005;„Die verratene Liebe der Medea“, Text, Deutung, Rezeption der ,Medea‘ des Euripides, 2007; „Venus und Aphrodite“, von Homers lockender Hera zu Petrons verführter Witwe. Texte, Erläuterungen, Illustrationen, 2008.
ISBN: 978-3-8260-4624-7 Reihen Nr: EpiL Band Nr: 732 Erscheinungsahr: 2011 Seitenanzahl: 324 Sprache: deutsch Kurzinhalt: Das Außenseitertum der ‚Helden' Thomas Manns, die sich in der ‚normalen Welt' nicht zurechtfinden, steht in ternärer Verbindung mit dem Apollinischen und Dionysischen aus Friedrich Nietzsches Geburt der Tragödie. In dieser frühen Schrift werden die "Kunsttriebe der Natur" zunächst - auf den tradierten mythologischen Eigenschaften der Götter basierend - als künstlerische Stilmerkmale gedeutet. Wenn Nietzsche die beiden Kunst-Natur-Triebe zu Beginn nur als ästhetische Merkmale analysiert, mit denen er Werkzeuge zur Beurteilung der Kultur in den Händen hält, so erweitert er die Triebe - unter Rückgriff auf die Willensmetaphysik Arthur Schopenhauers - bald zu einer Skizze metaphysischer Bedingungen der menschlichen Existenz. Der Außenseiter ist im Werk Thomas Manns aufgrund des ihm eigenen, randständigen Für-sich-seins und der Versuche, sich auf eine "friedlich-philosophische Art mit seinem Schicksal abzufinden" apollinisch besetzt. Konfrontiert wird er immer wieder mit der dionysischen Heimsuchung, dem "Kommen des ‚fremden Gottes'". Dieses Grundmotiv des apollinischen Außenseiters in den Werken und filmischen Werkadaptionen Thomas Manns ist Thema der Untersuchung. Sie beantwortet die Fragen, wie das Grundmotiv in exemplarischen Texten realisiert und über die mediale Grenze hinweg im Adaptionsprozess verändert wird. Untersucht werden Erzähl- und Filmtexte des Frühwerks: Der kleine Herr Friedemann, Tonio Kröger, Ein Glück, Wälsungenblut und Der Tod in Venedig. Der Autor Tobias Kurwinkel ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Germanistik an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und in der Schreibwerkstatt der Universität Duisburg-Essen. Seit 2004 hatte er verschiedene Lehraufträge an den Universitäten Duisburg-Essen, Düsseldorf und Göttingen inne.
ISBN: 978-3-8260-1505-2 Erscheinungsahr: 1999 Seitenanzahl: 194 Kurzinhalt: Mit diesem Band wird der Versuch unternommen, neue Perspektiven auf Autorschaft und Werk Arno Schmidts zu eröffnen. Es geht um die Entdeckung einer Vielzahl bislang un- oder nur wenig befragter Probleme, die Arno Schmidts Stellung im Kontext der Literatur dieses Jahrhunderts betreffen. Diese Ansätze zielen auf ein soziales, zeit- und psychohistorisches, rhetorisches, diskursives, sprachliches und stilistisches Bezugssystem, in dessen Einschätzung Werk und Wirkung über Detailfragen hinaus, wie sie die Forschung häufig beschäftigen, Konturen gewinnen, die ein Gesamtbild formen und Schmidts Bedeutung neu bestimmen können. Inhalt: Vorwort - Achim Hölter: Arno Schmidt als Kanonstifter - Hermann Wallmann: Arno Schmidt und Hermann Lenz. +/- - Rüdiger Zymner: "Rein" und "angewandt". Wissenschaft als Orientierungsmodell von Literatur - Wolfgang Albrecht: Leuchtturm sein? Wege der Selbstfindung in Arnos Schmidts Erzählung Phams oder von der Macht der Dichter - Uwe Wirth: Autor und Leser als Gedankenspieler. Von Schmidt zu Peirce. Und zurück. - Guido Graf: Rhetorik der Gewalt bei Arno Schmidt - Wolfgang Martynkewicz: Der Schriftsteller als Weltenschöpfer. Stefan George und Arno Schmidt - Susanne Fischer: Ein Reservat an der Eider. Arno Schmidts Version vom Ende der Politik - Jürgen Manthey: "Nimm zwee=e". Arno Schmidts skurrile Ostpolitik - Bernhard J. Dotzler: Mondlandschaften. Eine Motivvariation zum Überleben im Werk - Hans-Georg Pott: Schrift-Bild. Zur Poetik der Form bei Arno Schmidt - Michael Wetzel: "Man maide die Träger der Etyms!" Arno Schmidt als doppelzüngiger Genealoge der Kindsbraut - Zu den Autoren Der Herausgeber Guido Graf, Jg. 1966, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fach Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität GH Essen. Forschung und Veröffentlichungen zu Briefliteratur, Literaturtheorie, Literatur um 1800 und Arno Schmidt. Über den Briefwechsel zwischen Arno Schmidt und Hans Wollschläger. Wiesenbach 1997.
ISBN: 978-3-8260-2599-0 Reihen Nr: EpiL Band Nr: 471 Erscheinungsahr: 2003 Seitenanzahl: 608 Sprache: deutsch Kurzinhalt: In der umfangreichen Forschungsliteratur über Gottfried Benn fehlt fast nie ein Hinweis auf den ärztlichen Beruf des Dichters. Erstaunlicherweise wird diesem Sachverhalt in der Regel weit weniger Bedeutung beigemessen als der Herkunft Benns aus einem protestantischen Pfarrhaus. Nur selten erfahren medizinische und naturwissenschaftliche Referenzen nähere Betrachtung; mitunter wird auf die Bedeutung medizinischer Metaphern für die literarische Sprache Benns verwiesen. Die vorgelegte Studie versucht eine systematische wissenschaftsgeschichtliche Rekonstruktion der medizinischen und naturwissenschaftlichen "Subtexte" des Bennschen Œuvres und erhärtet mit reichem wissenschaftsgeschichtlichen Quellenmaterial die Forschungsthese, dass sich in seinem gesamten Werk - von den expressionistischen Anfängen bis in die späte Prosa hinein - pointierte gehirnanatomisch-anthropologische Konzepte und Argumentationslinien nachweisen lassen, deren Bedeutung keinesfalls auf eine Art "Metaphernreservoir" einschränkbar ist. Sie ermöglichen vielmehr eine Reflexion seiner Dichtung, die der Kunst eine Neubegründung auf der Basis zeitgenössischer Physiologie und Anthropologie zu geben weiß. Die Autorin studierte Literaturwissenschaft, Architektur, Kunstgeschichte und Philosophie in Dortmund und Bochum.
ISBN: 978-3-8260-2482-5 Reihen Nr: EpiL Band Nr: 444 Erscheinungsahr: 2003 Seitenanzahl: 232 Sprache: deutsch Kurzinhalt: Ohne wachsame Augen und Ohren strauchelt der Zuschauer auf dem Weg zum Theater. Auch Theatertexte fordern einen Leser, der sich der vielstimmigen Gleichzeitigkeit theatraler Zeichen bewußt ist. Erst dann läßt sich der Weg zum Theater, den die Texte in ihrer Dramaturgie einschlagen, erkennen. Dies gilt besonders für die Theatertexte, die hier zur Einzelanalyse ausgewählt wurden. Denn in ihrer projektierten Trennung von Auge und Ohr bestimmen sie das Verhältnis zwischen Bühne und Zuschauer um. Jelineks Raststätte und Reinshagens Marilyn Monroe führen inhaltlich und strukturell die Auseinandersetzung mit dem Modell der Guckkastenbühne und dem Zuschauer als Voyeur. Sachs' Simson und Lasker-Schülers IchundIch fordern den bezeugenden Zuschauer, der konstellativ liest. Ein doppelter Blick hingegen bringt erst zu Tage, wie Fleißers Fegefeuer und Lasker-Schülers Wupper ein identifikatorisches Zuschauen problematisieren. Das methodologische Instrumentarium bilden Brechts Trennung der Zeichensysteme, Anne Ubersfelds Theatersemiologie und Kristevas psychoanalytisch informierter Textbegriff; die Untersuchung hat kritisch am feministischen Diskurs teil. Die Autorin Annette Bühler-Dietrich lehrt und habilitiert zur Zeit an der Universität Stuttgart. Sie hat in Tübingen, Mainz und vor allem an der University of Virginia, USA, studiert.